Pressestimmen
Peter-Sodann-Bibliothek eG
Was wird aus der Peter Sodann-Bibliothek?
Eineinhalb Jahre nach dem Tod des beliebten “Tatort”-Schauspielers und Regisseurs Peter Sodann muss die von ihm gegründete DDR-Bibliothek nicht um ihre Existenz fürchten. Die Finanzierung und die erhoffte öffentliche Förderung bleiben aber vordringliche Themen. Der Vorstand sucht außerdem nach einer neuen Vision. Denn bloßer Erinnerungsort für DDR-Zeitzeugen zu sein, werde in Zukunft nicht reichen.
- In der Peter-Sodann-Bibliothek im sächsischen Dorf Staucha werden DDR-Bücher archiviert.
- Die Bibliotheks-Genossenschaft wünscht sich mehr Anerkennung durch den Freistaat Sachsen und eine Förderung.
- Künftig brauche die Bibliothek auch eine neue Vision, heißt es aus dem Vorstand – Ostalgie allein reiche nicht mehr.
Peter Sodann starb im April 2024 im Alter von 87 Jahren. Damals stellte sich sofort die Frage nach dem Schicksal der von ihm gegründeten einzigartigen Sammlung von DDR-Literatur. Auf Bitten seiner Witwe Cornelia wahrten aber auch Journalisten zunächst pietätvoll Abstand. Inzwischen ist die Genossenschaft, von Sodann 2018 selbst als Nachfolgerin des bis dahin tragenden Vereins angeregt, ein funktionierender Betrieb. “Und wir überstehen so manche Krise”, scherzt Heiko Isopp im Gespräch mit MDR KULTUR. Er ist gemeinsam mit Hansi-Christiane Merkel der Vorstand der Genossenschaft. Beide sind studierte Ingenieure und inzwischen Rentner.

Bücherangebot ist nicht mehr zu bewältigen
Peter Sodann hatte nach der Währungsunion 1990 aus Empörung über die massenhafte Entsorgung von Büchern, die in der DDR gedruckt worden waren, mit deren Rettung begonnen. Nach langer Suche fand er 2011 im alten Rittergut Staucha zwischen Meißen und Oschatz ein Domizil für die lawinenartig anwachsende Sammlung. In der Scheune lagern weiterhin die legendären Bananenkisten mit unsortierten Büchern. Ganze Nachlässe mit Tausenden Büchern würden der Sodann-Bibliothek angeboten, schildert Heiko Isopp.
Der Gesamtbestand aber beläuft sich bereits auf zweieinhalb Millionen Bände, die Außenstelle in Magdeburg eingeschlossen. Neben Büchern und Zeitschriften auch so genannte “Graue Literatur”, also anlassbezogene Festschriften und Chroniken oder Ortsführer, für die es keiner Druckgenehmigung bedurfte. Die Genossenschafter haben deshalb im November beschlossen, dass nur noch die Komplettierung der Sammlung im Vordergrund steht. “Wir müssen Bücher teils entsorgen, so leid uns das tut”, beschreibt Heiko Isopp das Dilemma.

Abgrenzung zur Deutschen Nationalbibliothek
Im Gutsgebäude empfangen hingegen lange, wohlgeordnete Regalreihen die Besucher. Hier ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Fortschritt zu beobachten. Geordnet wird nach Verlagen, ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Deutschen Nationalbibliothek. Auch verschiedene Auflagen eines Titels werden erfasst.
Diese auch fachlich anspruchsvolle Arbeit leisten derzeit lediglich zwei pensionierte Bibliothekarinnen und weitere Ehrenamtler, zwei Minijobber und gelegentliche Schülerpraktikanten. Die damit angesprochene Geldfrage aber dramatisieren beide Vorständler nicht. Auf etwa 120.000 Euro beläuft sich der jährliche Bedarf für den laufenden Betrieb. Ein Drittel davon wird durch Verkäufe des angeschlossenen Antiquariats abgedeckt. Dort werden mehrfach vorhandene Artikel verkauft, sowohl vor Ort als auch online. Geld kommt zudem von den Genossenschaftern und über Spenden.

Sodann-Bibliothek fühlt sich vom Freistaat ignoriert
Der Erfolg könnte größer sein, wenn die öffentliche Anerkennung größer wäre, so lässt sich Isopps Einschätzung zusammenfassen. Immerhin ist die Sodann-Spezialbibliothek Staucha seit diesem Jahr Mitglied im Deutschen Bibliotheksverband. Im November schloss man eine Kooperationsvereinbarung mit der Berliner Leibniz-Sozietät der Wissenschaften. Deren Präsidentin Gerda Haßler schrieb Anfang Dezember einen Brief an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Sie lud ihn zu einem Besuch in Staucha ein, ersparte ihm aber auch den Hinweis nicht, dass dieser “einzigartige Bestand” eine institutionelle Förderung verdient hätte.
Vom Bund und besonders in Sachsen aber fühlt man sich völlig ignoriert. Man wisse ja um die klammen Kassen, schickt Heiko Isopp voraus: “Aber man redet nicht einmal mit uns!” Im Strategiepapier “Sachsen 2030” werde man nicht einmal erwähnt.

Eine Vision fehle – Ostalgie allein reiche nicht
Hansi-Christiane Merkel beschreibt zunächst, wofür etwas Fördergeld willkommen wäre. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten professionalisiert werden. Ebenso hätte die technisch-mediale Ausstattung Innovationen verdient. Dann aber kommt sie auf die ihrer Meinung nach wichtigste Aufgabe: “Es fehlt eine Vision!” Die Bibliothek könne durchaus “ostalgisch gefärbt” sein. Aber das allein trage auf Dauer nicht, zumal “unsere Erinnerungsgeneration” aussterbe. “Der eigentliche Fundus wird nach und nach verlorengehen”, sagt sie.

Sodann-Bibliothek in Staucha plagen Geldsorgen
Der Schauspieler Peter Sodann hat Abertausende Bücher aus der DDR gesammelt. Nach seinem Tod steht seine Bibliothek vor der Frage, wie es weitergehen soll.
Stauchitz (dpa) – Die Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha im Landkreis Meißen steht vor einer ungewissen Zukunft. Seit 2018 ist die Bibliothek als gemeinnützige eingetragene Genossenschaft organisiert. Doch der Einrichtung fehle jegliche Förderung vom Bund oder dem Freistaat Sachsen, beklagt Aufsichtsrat Bernd Pawlowski. Die Bibliothek lebe von Spenden – und auch die gingen „rapide“ zurück.
Spenden reichen nicht mehr aus
„Unsere Probleme sind die, die alle haben“, sagt Sodanns Witwe Cornelia Brenner-Sodann. Es fehle Geld für Personal, um die Bücher weiter zu sichten und zu katalogisieren. Zwar kommen nebenher noch Einnahmen rein aus einem Bücher-Antiquariat. Aber das helfe kaum weiter.
Die Idee für die Sammlung hatte der Schauspieler Peter Sodann (1936 – 2024). Er wollte die DDR-Bücher vor der Vernichtung und dem Vergessen retten. Doch seit seinem Tod im vergangenen Jahr steht die Bibliothek vor der großen Frage, wie es weitergehen soll. Sodann baute die Sammlung während der Wende ab 1990 auf, 2012 zog er mit den Büchern in das abgelegene Rittergut Staucha.
„Wir bräuchten eine kleine, durchgehende Unterstützung, um zwei Stellen auf Mindestlohn-Basis zu schaffen“, sagt Pawlowski. 100.000 Euro jährlich wären ideal, 50.000 bis 70.000 Euro würden auch schon helfen. Alle Gespräche mit öffentlichen Stellen seien bislang ins Leere gelaufen, so Pawlowski. Aktuell habe die Genossenschaft zwei Angestellte, „die wir mit Hängen und Würgen über Spenden finanzieren“, sagt Pawlowski.
Freistaat sieht keine Zuständigkeit
Das sächsische Kulturministerium erklärt auf Anfrage, dass es beachtlich und ausgesprochen respektabel sei, mit welchem Engagement Peter Sodann die Bücher als privater Sammler zusammengetragen habe. Er habe jedoch nicht im Auftrag des Staates gehandelt. Das Ministerium bestätigte, dass sich Vertreter der Bibliothek seit vielen Jahren an Bund und Land gewandt haben. „Aus unserer Sicht sind die jeweiligen Argumente wiederholt ausgetauscht und umfassend diskutiert worden.“
Keine öffentliche Bibliothek werde in Sachsen über Landesmittel institutionell gefördert, so das Ministerium. Denkbar sei höchstens eine Projektförderung unter bestimmten Bedingungen.
© dpa-infocom, dpa:250801-930-864099/1
(Veröffentlichung auf unserer Website mit freundlicher Genehmigung der dpa)
Peter-Sodann-Bibliothek bald auf Wikipedia
“Bald soll auch die nach (Peter Sodann) benannte Bibliothek ins weltweite Wikipedia-Universum aufgenommen werden. … In der Peter-Sodann-Bibliothek ist an die Anschaffung eines solchen Spezialscanners nicht zu denken. Die rund zehn Mitarbeiter, die hier als Minijobber oder ehrenamtlich tätig sind, haben genug zu tun, die Bücher, die von 1945 bis 1990 zuerst in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR erschienen sind, zu erfassen.”
Sächsische Zeitung, 20. März 2024
Dankbar für die Unterstützung
““Die Situation ist gerade nicht einfach. Es fehlt wie überall das Geld”, sagte Peter Sodann, als wir ihn im Sommer in seiner Bibliothek besuchten. … Fünf Monate später blickt der gebürtige Meißener etwas optimistischer in die Zukunft. Nach einem Hilferuf in Super-Illu im August gingen bei der gemeinnützigen Genossenschaft Peter-Sodann-Bibliothek 24.000 Euro Spenden ein, die u.a. für Energie- und Personalkosten gebraucht werden. “Es waren viele – ich danke für jede einzelne”, so Sodann. … Für Karl Gerhold ist die Unterstützung eine Herzenssache: “Ich finde es toll, dass sich Peter Sodann der Sisyphusaufgabe stellt und die Literatur der DDR-Zeit sammelt. Dieser Schatz muss der Nachwelt erhalten bleiben. Gerade im digitalen Zeitalter muss der Zugang zu Büchern, zu Wissen und Kultur gefördert werden.” Sodann selbst sieht die Bibliothek auf einem guten Weg: “Mit jeder Spende kommen wir einen Schritt weiter, allerdings sind noch viele Schritte notwendig um dieses Kulturgut zu bewahren.””
Super-Illu, 07. Dezember 2023
Die Genossen Bücherbewahrer
“Eine Erkenntnis der vergangenen sechs Jahre lautet freilich: Auch in einer Bibliothek hört die Arbeit nimmer auf. Zwar sind große Räume unter dem Dach hergerichtet, viele Regale eingebaut und bestückt worden, aber noch immer harren unzählige Bücher in Pappkartons aus. “In den Bananenkisten des Westens”, so ist in der alten Scheune an einer Wand zu lesen, “schlummert das Wissen des Ostens.” Eine andere Erkenntnis lautet: Auch eine DDR-Bibliothek ist keine Goldgrube. Zwar kommen Gäste zu Führungen; zwar gibt es ein Antiquariat, in dem Onlinebestellungen selbst aus Australien eingehen. Es gibt Spenden; die Gemeinde beteiligt sich an den Betriebskosten. Für mehr als anderthalb Angestellte reicht das aber nicht. Viel Arbeit
Peter Sodann will Staucha verlassen
“”Derzeit sind wir in Halle auf Wohnungssuche, haben aber noch nichts Passendes gefunden”, so
Peter Sodann. Das mag zumindest Außenstehende überraschen. Immerhin hatte Sodann vor einiger Zeit sein Elternhaus in Weinböhla und auch sein Haus in Halle verkauft.
Seine Frau unterstützt die Pläne. “Wenn mein Mann etwas macht, dann richtig. Er kann nicht aufhören. Wenn er ein wenig räumlichen Abstand hat, fällt das Aufhören vielleicht leichter”, sagt sie. Das Wohnhaus, die Bibliothek und die Scheune sollen aber nicht verkauft werden, die Bibliothek, wie geplant, von der Genossenschaft fortgeführt werden.
Auf die Idee, Bücher aus DDR-Zeiten zu sammeln und der Nachwelt zu erhalten, kam Peter Sodann 1990 in Halle.”
Sächsische Zeitung, 2. Novemver 2020